Abdoulaye Sanogo, Mittelfeldakteur mit Zug zum Tor

Mit seinen 18 Jahren gehört Abdoulaye Sanogo aus Mali zu den jüngsten Spielern im Kader der KAS Eupen. Während 5 Jahren besuchte er die Aspire Academy in Dakar, im Januar wechselte er zur KAS Eupen. Hier wurde er bei bislang 11 Meisterschaftsspielen eingewechselt und konnte seine Qualitäten als offensiver Mittelfeldspieler unter Beweis stellen. Wie die meisten Spieler im Kader der KAS Eupen kämpft der junge Malier um einen Platz in der Anfangsformation. „Da muss ich täglich hart arbeiten und mich im Training für eine Nominierung empfehlen, ich bin aber zuversichtlich, dass mir das gelingt“ sagte Abdoulaye Sanogo im Interview mit dem AS-Journal.

Sie stammen aus Mali in Zentralafrika, in welchem Umfeld sind sie aufgewachsen?

Ich bin in Sikasso, der zweitgrößten Stadt meines Heimatlandes Mali, aufgewachsen und stamme aus einer echten Fußball-Familie. Mein Vater war Profi und hat für große Vereine der Elfenbeinküste und Malis gespielt, auch meine drei Brüder sind allesamt Fußballspieler, die in D1-Clubs in Mali aktiv waren. Außerdem habe ich noch zwei Schwestern, ich bin in meiner Familie das jüngste von sechs Kindern.

Wie ist Ihre Entwicklung im Jugendbereich verlaufen?

Mit dem Fußball bin ich groß geworden und habe im Alter von 13 Jahren in meiner Heimatstadt an der Sichtung der Aspire Academy teilgenommen. Dort bin ich den Scouts von Aspire sofort aufgefallen, denn sie sagten mir, dass ich gute Chancen auf einen Platz in der Academy in Dakar habe. Danach folgten noch die nationale Sichtung für ganz Mali und der internationale Jahrgangstest in Doha. Auch diese Hürden habe ich genommen und so habe ich dann auch einen Platz in der Academy erhalten. Natürlich war die ganze Familie sehr stolz, dass ich das geschafft habe. Das war für uns alle ein Traum, der Wirklichkeit wurde.

Am Ende ihrer Ausbildung gehörten Sie zu den Spielern ihres Jahrgangs, denen im Januar 2015 ein Profi-Vertrag bei der KAS Eupen angeboten wurde. Wie haben Sie sich in dem neuen Umfeld eingelebt?

Sehr gut. Natürlich war der Wechsel nach Belgien schon eine große Umstellung, vor allem die kalten Wintermonate war ich nicht gewohnt, aber letztlich habe ich keine Probleme gehabt. Viele meiner Mitspieler kannte ich schon von der Academy, ich bewohne gemeinsam mit Alma Wakili ein Appartement im Stadtzentrum und wir haben viele Kontakte zu den anderen Spielern des Vereins. Inzwischen haben wir aber auch schon einige Eupener kennen gelernt. Alle sind sehr nett zu mir und so fühle ich mich wohl hier in der Stadt. Dazu gehört auch, dass ich über das Internet und Skype fast täglich Kontakt zu meiner Familie habe.

Genau wie Sie stammt auch Ibrahim Diallo aus Mali. Er wechselte Ende Januar als 18-Jähriger von der KAS Eupen zum FC Valencia. Ist er ein Vorbild für Sie?

Auf jeden Fall. Ich bin ja praktisch mit Ibrahim aufgewachsen und er ist ein Vorbild, weil er als Fußballprofi schon ein höheres Niveau erreicht hat. Wir stammen beide aus Sikasso, wir haben gemeinsam die Aspire Academy durchlaufen und sind beide zur KAS Eupen gewechselt. Jetzt spielt er beim FC Valencia und hat gute Chancen, auf einen Platz im Kader der 1. Mannschaft. Da freue ich mich mit ihm. Wir haben sehr regelmäßig Kontakt miteinander, er ist und bleibt ein guter Kumpel von mir, wir wissen alles voneinander.

Seit Jahresbeginn wurden Sie bei bislang 11 Meisterschaftsspielen eingewechselt und die Zuschauer haben Sie als Mittelfeldspieler mit viel Drang zum Tor kennen gelernt. Wo liegen ihre Stärken und auf welcher Position fühlen Sie sich am wohlsten?

Am wohlsten fühle ich mich als 10er, als Ballverteiler im offensiven Mittelfeld. Auf dieser Position habe ich während meiner gesamten Ausbildungszeit gespielt. Da ist es auch kein Zufall, dass Lionel Messi mein Lieblingsspieler ist. Zu meinen Stärken gehören eine gute Technik, ein gutes Auge, mein Vorwärtsdrang, eine schnelle Ballführung und die Möglichkeit, mit beiden Füßen schießen zu können.

An welche Schwächen müssen Sie denn noch arbeiten?

Durch den Kontakt mit so erfahrenen Spielern wie Luis Garcia, der mir wichtige Tipps gibt, verbessern wir uns ständig und in sehr vielen Bereichen. Konkretes Verbesserungspotential besteht noch bei der Defensivarbeit, wenn der Gegner am Ball ist und ich die Räume einengen muss, da muss ich noch schneller werden, mich ohne Ball mehr bewegen und noch einiges hinzulernen. Das mit mir auch der Trainer gesagt und ich verstehe ihn, weil heutzutage jeder 10er auch in der Defensive mitarbeiten muss. Der einzige 10er, der nicht immer mit verteidigen muss, ist Messi, aber dafür hat er ja andere Qualitäten.

Sie gehören zu den Spielern der KAS Eupen, die regelmäßig in der 18er Kader berufen werden, für die Startelf wurden Sie bislang nicht nominiert. Ist das eine Enttäuschung für Sie?

Natürlich würde ich gerne immer von Beginn an spielen, aber das möchte jeder Spieler aus unserem Kader. Jeder möchte sich dem Publikum zeigen und dafür kämpfe ich. Aber, man muss die Dinge so nehmen, wie sie sind. Ich weiß, dass ich noch viel an mir arbeiten muss und mich nur durch gute Leistungen im Training empfehlen muss. Das ist die große Herausforderung, denn im Spiel kannst du viel mehr Erfahrungen sammeln als im Training. Ich habe aber ein gutes Gefühl, dass der Trainer mir vertraut und mir meine Chance gibt. Das ist aber auch eine Frage der Zeit, denn momentan hat die Saison ja gerade einmal angefangen und es kommen noch viele Spiele.

Die Konkurrenz im Kader der KAS Eupen ist riesengroß und der Kampf um einen  Stammplatz ist hart, geht das nicht sehr an die Substanz?

Das ist schon hart, aber so ist der Fußball, so ist das Leben. Man muss ständig kämpfen, um etwas zu erreichen.

Welches Ziel möchten Sie als Fußballspieler erreichen, von welchem Club träumen Sie?

Mein Ziel ist es, einmal ein großer Fußballspieler zu werden. Im Vereinsfußball träume ich davon, einmal in der Champions League zu spielen, mit gleich welchem Club. Auf Ebene der Nationalmannschaft würde ich natürlich gerne einmal für Mali spielen und wenn es geht, auch an einer Weltmeisterschaft teilnehmen.

Das letzte Meisterschaftsspiel hat die KAS Eupen  gegen Lierse SK mit 1:4 verloren. Wie haben Trainerstaff und Mannschaft auf diese Pleite reagiert?

Wir waren allesamt sehr enttäuscht und der Coach war verärgert. Aber das ist normal, nach einer solchen Niederlage. Im Nachhinein haben wir das Spiel genutzt, um unsere Fehler zu analysieren und zu schauen, wie wir es beim nächsten Mal besser machen können. Zwar können wir sowieso nicht jedes Spiel gewinnen, aber eine solche Niederlage muss ein Lernprozess sein, um es beim nächsten Mal besser zu machen und das Saisonziel nicht aus dem Auge zu verlieren. Mit der Hilfe der Trainer und der erfahrenen Spieler haben wir das 1:4 nach zwei Trainingseinheiten abgehakt und konzentrieren uns jetzt auf das Heimspiel gegen White Star Bruxelles. Hier müssen wir alles tun, um unser Selbstvertrauen zurückzugewinnen und das Spiel zu gewinnen; für uns, für den ganzen Club und für unsere Fans.