„Das Spiel gegen Roeselare wird richtungsweisend für unsere Play-Offs“

Vor fünf Jahren kam Jordi Condom zur KAS Eupen, 2015 übernahm er beim damaligen Zweitligisten den Posten des Cheftrainers. Nur ein Jahr später führte der Katalane die Mannschaft in die die höchste Spielklasse und konnte vor einigen Wochen den Klassenerhalt in der Jupiler Pro League feiern. Wenn die KAS Eupen am Samstag in die Play Off 2 startet, steht der 47-jährige Cheftrainer vor seiner nächsten Herausforderung: „Auch wenn wir unser Saisonziel schon erreicht haben, ist es eine Frage der Ehre und des Prestiges, bei den Play Offs so gut wie möglich abzuschneiden“ sagt Jordi Condom im Interview mit dem AS-Journal.

 

Mit dem Aufstieg in die D1 und dem Klassenerhalt stehen die letzten zwölf Monate für das erfolgreichste Kapitel in der Geschichte der KAS Eupen. Ist diese Saison auch der bislang größte Erfolg Ihrer Karriere als Fußballtrainer?

Für mich persönlich ist das auch eine außergewöhnliche Erfahrung, zunächst einmal bin ich zum ersten Mal mit einer Mannschaft in die höchste Spielklasse aufgestiegen, dort haben wir uns drei Runden vor Schluss den Klassenerhalt gesichert und starten jetzt in die Play Off 2. Aber das ist ja noch nicht alles, denn dazu kommt ja noch das Halbfinale im Landespokal. All das haben wir mit einer Mannschaft geschafft, in der so viele Nationen, Sprachen und Kulturen vertreten sind, mit vielen jungen Spielern, die noch sehr viel lernen mussten, und die vor allem unerfahren waren, auf diesem Niveau zu spielen. Wenn mir einer vor Saisonbeginn gesagt hätte, dass es so laufen würde, ich hätte es nicht geglaubt. Es war nicht immer leicht, aber wir sind gewachsen und jetzt bin ich stolz auf meine Mannschaft und denke auch, dass dies für mein Trainerteam und mich ein sehr großer Erfolg ist, und auch der bislang größte Erfolg meiner Karriere.

Welche Spiele dieser Saison in der D1 haben Sie in besonders guter Erinnerung?

Das sind die beiden Auswärtsspiele in Ostende und Gent, wo wir jeweils drei Punkte einfahren konnten, mit denen wir nicht unbedingt rechnen konnten. Die Vorbereitung auf das Spiel in Ostende am 2. Weihnachtstag mit einigen verletzten Spielern war nicht leicht, dennoch haben wir die Partie 3:1 gewonnen und konnten mit einem 8-Punkte Vorsprung auf den Abstiegsplatz in die Winterpause und in das Trainingslager starten.  Fast noch wichtiger war der Sieg am 26. Spieltag bei AA Gent, da haben wir noch im Hotel mitbekommen, dass unser Konkurrent Excelsior Mouscron in Führung gegangen war und wir damit virtuell auf dem letzten Platz standen. Die Folge ist bekannt: Mouscron hat sein Spiel gegen Ostende verloren, wir haben in Gent den sensationellen 1:0-Sieg errungen und damit vorentscheidende Punkte zum Klassenerhalt geholt.

Welche Niederlagen haben Sie am meisten geschmerzt?

Natürlich haben die Heimniederlagen gegen Mouscron und Waasland sehr weh getan, weil das für uns sehr wichtige Spiele waren, doch die größte Enttäuschung war das 2:2 gegen Standard Lüttich. Hier hatten wir die Krise bei Standard gut genutzt und lagen kurz vor dem Abpfiff verdient mit 2:1-Führung. Doch diesen Sieg und damit 2 Punkte haben wir selbst noch einmal aus der Hand gegeben. Da hatte ich das Gefühl, als hätte man uns den Lohn, den wir so bitter nötig hatten, praktisch noch einmal aus der Tasche gezogen.

Schauen wir nach vorne und blicken wir auf die Play Off 2 Runde, mit welcher Ambition geht die KAS Eupen in diese neue Phase der Meisterschaft?

Eines vorweg, für uns sind die Play Off Spiele wichtig und es ist für uns eine Frage der Ehre und des Prestiges, dabei so gut wie möglich abzuschneiden. Wir befinden uns jetzt in der glücklichen Situation, dass wir nicht mehr absteigen können und keinen Druck mehr haben. Das ist einerseits gut, andererseits könnte uns das jetzt dazu verleiten, ohne die nötige Anspannung in die Spiele zu gehen. Und das wollen wir in jedem Fall vermeiden. Deshalb betrachte ich jedes einzelne Play Off Spiel als Finale, das wir gewinnen möchten. Die Marschroute lautet jedenfalls, jedes Spiel mit 100%iger Motivation anzugehen und jede Chance zu nutzen. Danach wird man sehen, welches am Ende unsere konkrete Ambition sein kann.

Ist es nicht schwer die Mannschaft nach dem Erreichen des Klassenerhalts noch einmal so zu motivieren, wie Sie sich das vorstellen?

Dass dies nicht leicht ist, das haben unsere letzten beiden Spiele in Sint Truiden und gegen Zulte gezeigt, die wir beide verloren haben. Da hat man die Erleichterung gespürt, die nach dem Druck der letzten Monate von jedem einzelnen unserer Spieler abgefallen war. Das ist eine menschliche Reaktion, die ich nachvollziehen kann und deshalb habe ich mich darüber auch nicht geärgert. Auf der anderen Seite hat mir diese Mannschaft gezeigt, dass sie sich nie unterkriegen lässt und dann, wenn es drauf ankommt immer eine Antwort parat hat. Diese Haltung erwarte ich jetzt auch in den Play Offs und wir werden alles tun, um den Rhythmus und die Motivation hochzuhalten. Ich bin überzeugt, dass die Spieler jetzt wieder darauf brennen, ihre Leistung, ihr Potential und auch ihre Spielfreude unter Beweis zu stellen.

Bedeutet dies, dass die KAS Eupen die Play Off Spiele wieder mit einer offensiven Taktik angehen wird?

Die angriffsorientierte Spielweise ist unser Markenzeichen, bei dem sich unsere Spieler am besten entfalten können. In der Meisterschaft haben wir unsere Taktik am Ende angepasst und waren damit erfolgreich, es gab halt einen Plan A und einen Plan B. Für die Play Off werden wir unsere Taktik der jeweiligen Situation anpassen. Sicherlich werden wir für einige Spiele die mutige angriffsorientierte Taktik anwenden, aber es wird auch Momente geben, bei denen wir versuchen, unsere Stärke im Angriff aus einer gesicherten Defensive heraus zu nutzen. Fußball bleibt ja immer noch ein taktisches Spiel, wo man verschiedene Varianten nutzen sollte.

Betrachten Sie die Play Off Spiele auch schon als Vorbereitung auf die kommende Saison?

Nein, die Play Off-Spiele sind das Finale dieser Meisterschaft und nicht die Testspiele zur kommenden Saison. Deshalb wird der eine oder andere Spieler, der bislang wenig zum Einsatz gekommen ist, vielleicht mehr Spielzeit bekommen, vorausgesetzt er hat es sich durch den täglichen Einsatz beim Training verdient. So wird es dann die eine oder andere Veränderung geben, aber keine große Rotation und ich werde auch nicht mit einer B-Mannschaft spielen.

Ist der KRC Genk auch für Sie der Favorit der Gruppe?

Ganz sicher ist Genk der Top-Favorit unserer Gruppe. Die Mannschaft steht im Viertelfinale der Europa League und gehört eigentlich in die Play Off 1. Das ist eine sehr talentierte und komplette Mannschaft, die viele taktische Möglichkeiten hat und uns in der Meisterschaft zweimal große Probleme bereitet hat. Genk ist die Mannschaft, die es zu schlagen gilt und gegen den auch wir ganz besonders motiviert sind. Und wer weiß, wie Genk mit der Doppelbelastung Europa League und Play Off 2 fertig wird?

Wie wichtig ist die Auftaktpartie am Samstagabend gegen Roeselare?

Diese Partie ist schon äußerst wichtig. Da entscheidet sich, ob man mit Elan und Enthusiasmus in die Play Off geht, was natürlich unser Ziel ist. Deshalb hoffe ich auf einen guten Start unserer Play Off Serie am Samstagabend.