„Diesmal wollen wir Zulte Waregem packen“

Mit 23 Jahren gehört Hendrik Van Crombrugge zu den jüngsten Torhütern der Pro League, bei der KAS Eupen ist der gebürtige Flame eine feste Größe, auf dem Platz sowie als Ansprechpartner seiner Mannschaftskollegen und der Journalisten. Bei den entscheidenden Spielen um den Klassenerhalt rettete Hendrik Van Crombrugge der Mannschaft mit seinen Paraden wichtige Punkte und trug dazu bei, dass die KAS Eupen den Verbleib in der höchsten Spielklasse bereits am 28. Spieltag beim 2:1-Sieg in Lokeren perfekt machen konnte. Als 20-Jähriger kam Hendrik Van Crombrugge im Sommer 2013 zur KAS Eupen, vor einigen Wochen verlängerte er seinen Vertrag bis 2020. „Hier habe ich das perfekte Umfeld, um mich mit der Mannschaft weiter zu entwickeln“ begründete Hendrik Van Crombrugge im Interview mit dem AS-Journal seine Entscheidung der Vertragsverlängerung.

Als einer der Ersten haben Sie Ihren im Juni auslaufenden Vertrag mit der KAS Eupen bis 2020 verlängert. Was hat sie bewogen, auch in den nächsten drei Jahren für die KASE Eupen zu spielen?

In Eupen fühle ich mich ganz einfach wohl, beruflich und auch privat. Seit vier Jahren spiele ich für den Verein und habe mich hier sehr gut entwickeln können. Auch die Zukunftsperspektiven sind interessant, denn ich habe den Eindruck, dass der Verein sich zu einem stabilen Club der ersten Liga entwickelt und dazu möchte ich gerne beitragen. Hinzu kommt die private Situation: hier habe ich meine Frau kennen gelernt, in Eupen ist mein Sohn geboren, hier passt es ganz einfach für mich.

Gerade in den letzten Wochen haben Sie der Mannschaft mit starken Leistungen wichtige Punkte gerettet und hatten damit großen Anteil am Verbleib der KASE Eupen in der Pro League. Welche Entwicklung haben Sie persönlich in dieser Saison in der D1 mitgemacht?

Zu Saisonbeginn hat die ganze Mannschaft einen Anpassungsprozess mitgemacht. In der ersten Liga hast du es mit viel besseren Gegnern zu tun, alles geht vor allem viel schneller und im Vergleich zur D2 mussten wir uns auch daran gewöhnen, Spiele zu verlieren. All das braucht seine Zeit, in meinem Fall etwas mehr, als ich erhofft hatte. Doch inzwischen habe ich mich in der Pro League eingelebt, und bin froh, dass ich dazu beitragen konnte, wichtige Punkte herauszuholen.

Macht es Sie jetzt noch stärker, zu wissen, welche Bälle Sie noch heraus holen können?

Das verschafft Anerkennung und stärkt vor allem das Selbstvertrauen. Jetzt kommen auch schon mal junge Spieler und fragen mich um Rat und so spürt man schon, dass man sich nicht nur auf dem Spielfeld sondern auch als Persönlichkeit entwickelt. Das vermittelt ein gutes Gefühl und macht mich auch stärker.

Wird es nach einer Reihe guter Auftritte nicht immer schwerer, sich weiter zu verbessern?

Das mag sein, doch bin ich noch lange nicht an dem Punkt angekommen, an dem ich nichts mehr hinzulernen könnte. Deshalb bleibe ich bescheiden und bin mir dessen bewusst, dass ich mich gerade einmal eine Saison als Stammtorwart einer D1-Mannschaft bewiesen habe. Das muss ich in der kommenden Saison noch bestätigen und mich mit der Mannschaft weiter entwickeln. Gerade deshalb gehe ich auch davon aus, dass ich momentan nirgends besser aufgehoben sein kann als bei der KAS Eupen.

Aufgrund ihrer offensiven Spielweise war die KAS Eupen bis zum 25. Spieltag die Mannschaft, die die meisten Gegentore kassierte. Wie verkraftet man es als Torwart, so oft fast chancenlos sein und den Ball aus dem Netz holen zu müssen?

Das war schon eine schwierige und vor allem ungewohnte Situation, nicht nur für mich als Torwart sondern für die ganze Mannschaft. Denn in der 2. Liga gehörten wir immer zur Spitzengruppe und kassierten nur wenige Tore. So mussten wir alle wieder lernen, häufiger zu verlieren. Das war sicherlich nicht einfach und ist gerade für einen Torwart mental schwierig, wenn man praktisch nie zu null spielen kann. Doch dann darf man nicht an sich selbst zweifeln, sondern muss sich am Positiven aufrichten, und das war in diesem Fall das kollektive Ziel des Klassenerhalts.

Mit dem Spiel bei AA Gent hat der Trainer die taktische Umstellung auf die 5er-Abwehrreihe vorgenommen, waren Sie da als Torwart erleichtert?

Nein, zumindest nicht von vornherein, denn man weiß ja nicht im Voraus, ob diese Rechnung aufgeht. Sicherlich war das eine wichtige Entscheidung, doch wesentlicher war, dass jeder Spieler auf dem Platz zu 100% fokussiert war, wusste, was er zu tun hatte und jeder alles gegeben hat. Dass alle gemeinsam das gleiche Ziel verfolgt haben, das war die große Erleichterung.

Mit 23 Jahren gehören sie zu den jüngsten Torstehern der Pro League, welche Ambitionen haben Sie für Ihre weitere Karriere?

Momentan bietet mir die KAS Eupen das ideale Umfeld, mich weiter zu entwickeln und da sehe ich noch einiges Potential, denn ein Torhüter erreicht in der Regel erst im Alter von 28 bis 30 Jahren sein bestes Spielniveau. Da ich keiner bin, der allzu weit in die Zukunft blickt, weiß ich nicht, wo ich dann spielen werde, doch ich gehe davon aus, dass die KAS Eupen nicht meine Endstation ist. Wie jeder Profi-Sportler träume ich natürlich davon, eines Tages auch beim Kampf um Titel und Pokale mitzumischen, egal ob das in Belgien oder im Ausland ist. Doch wie gesagt, das ist Zukunftsmusik, jetzt ist mir wichtig, mich Schritt für Schritt weiter zu entwickeln.

Sie waren in dieser Saison im Fernsehen, im Radio und in den Zeitungen ein gefragter Ansprechpartner und gehörten zu den Spielern, die die meisten Interviews gegeben haben. Empfinden Sie das als Wertschätzung oder als Belastung?

Das hängt von der Situation ab. Wenn es auf dem Platz gut läuft, dann gibt man natürlich lieber Interviews als nach einer Niederlage. Dass ich persönlich so oft gefragt werde, liegt natürlich daran, dass ich den Journalisten bei den Interviews auf flämisch, französisch und deutsch antworten kann. Das ist dann zwar phasenweise auch anstrengend, doch gehört das zu unserem Beruf dazu, und deshalb empfinde ich das auch nicht als Belastung.

Gibt es Fragen, die Sie nerven?

Nein, es sind eher Situationen, die nerven können. Zum Beispiel dann, wenn Journalisten versuchen, Informationen aus dem Kreis der Mannschaft in Erfahrung zu bringen um sie in die Öffentlichkeit zu tragen. Bei allem Verständnis dafür, dass auch die Presseleute ihren Job machen müssen, sind das Situationen in denen wir uns sehr professionell verhalten müssen.

Am Sonntag steht das letzte Spiel der regulären Meisterschaft an. Um 14.30 Uhr trifft die KAS Eupen im Kehrweg-Stadion auf Zulte Waregem. Gegen diese Mannschaft gab es beim Pokal und in der Meisterschaft bislang drei Niederlagen. Kann die KASE diese Serie am Sonntag durchbrechen?

Davon gehe ich aus, denn Zulte Waregem steht als Tabellendritter schon lange als Teilnehmer der Play Off 1 fest und wird in Gedanken vielleicht schon beim Pokalfinale gegen den KV Oostende sein. Außerdem spielen wir im eigenen Stadion und wollen versuchen, unseren Fans ein gutes Spiel zu bieten und die Partie hoffentlich zu gewinnen.