„Gegen den CS Brügge müssen wir uns alle voll einbringen“

Mit einem Körpermaß von 1,96 Meter ist Peter Hackenberg der größte Spieler im Kader der KAS Eupen. Der aus Norddeutschland stammende Innenverteidiger wurde im Leistungszentrum von Energie Cottbus ausgebildet und spielte als Profi bei Energie Cottbus, Wacker Burghausen, 1. FC Magdeburg und zuletzt bei Alemannia Aachen. Peter Hackerberg ist eine absolute Kämpfernatur, der seine Mitspieler motiviert und mitreißt. Mit diesen Qualitäten möchte der 27-Jährige sich auch bei der KAS Eupen einbringen. Von seinem neuen Club und seinen Mitspielern ist Peter Hackenberg stark beeindruckt. Das verriet er im Interview mit dem AS-Journal.

Herr Hackenberg, seit sechs Wochen trainieren Sie jetzt bei der KAS Eupen, und Sie haben die ersten drei Meisterschaftsspiele in der Eupener Abwehr absolviert, wie kommen Sie in Ihrem neuen Umfeld zurecht?

Sehr gut, ich bin hier sehr gut aufgenommen worden. Es ist ein sehr familiäres Umfeld, von der Größe der Stadt, vom Verein her, man kennt einander und alle arbeiten Hand in Hand. Natürlich bin ich sehr dankbar, dass ich das Vertrauen des Trainers bekam und die ersten drei Spiele quasi ohne Vorbereitung mitspielen konnte.

Ist das nicht sehr schwer, mitten in der Saison in eine Mannschaft hinein zu finden, die schon seit Monaten zusammen spielt?

Das ist natürlich eine Herausforderung, was aber keineswegs negativ zu bewerten ist. Hinzu kommt aber auch der besondere Anspruch des internationalen Projektes, das hier in Eupen verwirklicht wird. Hier finden ganz viele Mentalitäten und Nationalitäten zueinander, man kommuniziert auf Englisch, das macht die Sache sehr interessant. Und wenn man dann täglich beim Training spürt, was da für ein Potential hinter steckt, dann bin ich beeindruckt und hoffe, dass wir das auch im Spiel alles entfalten können, weil da steckt sehr viel drin in dieser Mannschaft.

Im Team mit den Spielern aus Südeuropa, Afrika und Asien sind Sie der einzige Deutsche und haben sicherlich auch eine ganz andere Mentalität. In wieweit können Sie sich in dieser bunt gemischten Truppe einbringen?

Ich glaube, meine mentale Stärke, der Wille, immer zu kämpfen und weiter zu machen, auch wenn es einmal nicht so läuft, das war für den Verein ein Grund, mich zu verpflichten. So ist das ja auch in den letzten beiden Spielen gelaufen, wo wir erst ins Hintertreffen geraten sind, und am Ende gewonnen haben. Das sind die Situationen, wo ich mich und meine Nebenspieler ansporne, nicht aufzugeben. Mit dieser Einstellung versuche ich, den jungen Mitspielern von Aspire Academy etwas zu vermitteln, was sie aufgrund ihrer noch fehlenden Wettkampferfahrung noch nicht verinnerlicht haben: Immer gewinnen zu wollen, egal wie es gerade steht. So hoffe ich, der Mannschaft ein Plus zu bringen. Natürlich muss ich mir meinen Platz in dieser Hierarchie erst einmal erkämpfen, um den Ansprüchen eines Führungsspielers gerecht zu werden. Das ist eine große Herausforderung und eine interessante Aufgabe.

Als Fußballspieler sind Sie im Leistungszentrum Cottbus ausgebildet worden, wo sicherlich ein ganz anderer Fußball vermittelt wurde, als das, was jetzt in der belgischen D2 oder auch bei speziell bei der KAS Eupen praktiziert wird. Wie groß ist der Unterschied?

Der Unterschied ist schon enorm, zumal da ja ganz verschiedene Welten aufeinander prallen. Schon in Deutschland werden ja im Norden, Osten und Westen unterschiedliche Akzente gesetzt. Bei meiner Ausbildung in Cottbus lag der Schwerpunkt bei der Mentalität. Wille, Kampf, Einsatz und Durchhaltevermögen wurden da gefordert und das Spielerische folgte erst an zweiter Stelle. Jetzt bin ich in die belgische D2 gekommen und spiele dort wiederum in einer Mannschaft wie der KAS Eupen, die von der Trainings- und Spielphilosophie her von der Aspire Academy geprägt ist. Hier liegt der Schwerpunkt in der Schnelligkeit und in der Technik, darunter leidet aber dann meiner Ansicht nach manchmal das Mannschaftstaktische. So kommt es dann zu vielen Spielen mit vielen Toren, aber das macht unser Spiel auch für den Zuschauer interessant, denn wir können gegen jeden Gegner Tore schießen. Auf jeden Fall macht es enormen Spaß, in einem so abwechslungsreichen und gut besetzen Umfeld Fußball zu spielen und sich in diesem Kontext zu behaupten und zu verbessern.

Wie erleben Sie die bei der KAS Eupen praktizierte Spielweise?

Das ist beeindruckend und fängt schon beim täglichen Training an. Hier merkt man bei jeder Trainingseinheit, alles ist sehr strukturiert, sorgfältig vorbereitet und auf den kommenden Gegner ausgerichtet. Das ist durch und durch professionell bis hin zur medizinischen Betreuung. Der Trainingsschwerpunkt liegt in der Spritzigkeit, in der Wendigkeit, in der Balltechnik, im Ballbesitz. Das ist schon ein ganz anderer Fußball, auf den ich mich gerne einlassen will, weil es mich auch persönlich weiter bringt. Natürlich spüre ich auch, dass ich noch nicht auf dem Level bin, das meinem eigenen Anspruch entspricht. Aber da muss ich mir auch noch Zeit geben, schließlich sollte man nicht vergessen, dass ich aus der Regionalliga in die D2 gekommen bin und dazu noch zu einem sehr ambitionierten Club.

Bei der KAS Eupen spielen Sie Seite an Seite mit erfahrenen Spielern aus Europa und den jungen Talenten aus Afrika und Katar. Welches Potential sehen sie in Ihren jungen Mannschaftskollegen?

Das Potential ist schier unermesslich. Das sieht man jeden Tag auf dem Trainingsplatz. Wenn die Jungen jetzt noch lernen, ihr Können auch in der Stress-Situation eines Spiels abzurufen, und dann auch noch der unbedingte Siegeswille und mannschaftstaktische Disziplin hinzukommen, dann dürften wir nur ganz schwer zu schlagen sein.

Nach einer längeren Durststrecke hat die KAS Eupen durch die Siege über Heist und Patro die Schubumkehr geschafft. Sehen Sie die Mannschaft jetzt in der Lage, auch die stärkeren Teams der Serie zu schlagen, beispielsweise den CS Brügge, der am Sonntag im Kehrwegstadion der nächste Gegner sein wird?

Sicherlich werden wir es gegen den CS Brügge mit einem stärkeren Gegner zu tun haben. Allerdings kann die KAS Eupen in meinen Augen mit jedem Gegner mithalten, Voraussetzung ist dass jeder sich auf seine Aufgaben fokussiert und sich voll einbringt. Dazu brauchen wir natürlich auch Selbstvertrauen, aber das können wir ja aus den letzten beiden Spielen ziehen. Wir werden jedenfalls alles geben, um das Optimum herauszuholen.

In den Wintermonaten musste die KAS Eupen sich vom ursprünglichen Ziel, dem Aufstieg in die D1, verabschieden. Jetzt kommt der Frühling, was ist da noch drin?

Ich sehe das ähnlich wie unsere Trainer: Wir müssen von Spiel zu Spiel schauen. In meinen Augen wäre es ein Fehler, nach zwei gewonnenen Spielen zu behaupten, dass man jetzt wieder oben angreifen kann. Das ist Blödsinn. Wir sollten uns jetzt auf das nächste Spiel konzentrieren und das ist die Partie gegen Brügge. Da müssen wir unsere bestmögliche Leistung bringen. Wenn wir das dann geschafft haben, können wir immer noch weiter schauen, wie das nächste Spiel abläuft. Ich glaube mit dieser Sichtweise fahren wir am besten.