„Gegen Kortrijk mit der gleichen Einstellung wie gegen AA Gent“

Im Alter von 16 Jahren wurde Christian Brüls vom damaligen Cheftrainer Marc Grosjean aus der Jugendabteilung der KAS Eupen abberufen in die 1. Mannschaft des ostbelgischen Zweitligisten. Für den Spieler, der vom 4. bis zum 14. Lebensjahr bei seinem Heimatverein GW Amel ausgebildet wurde, bevor er nach Eupen kam, war dies der frühe Start einer Karriere als Fußballprofi. MVV Maastricht, KVC Westerlo, KAA Gent, OGC Nizza, Standard Lüttich und Stade Rennes waren zwischen 2008 und 2016 die weiteren Stationen seiner Karriere. Zum Ende der Winter-Transferperiode kehrte der 28-jährige Mittelfeldspieler zur KAS Eupen zurück. Mit seiner Erfahrung soll Christian Brüls die KAS Eupen beim Kampf um den Klassenerhalt unterstützen, in Eupen möchte der Eifeler an seine besten Leistungen anknüpfen, die er nach eigener Aussage in der Saison 2013-2014 im Trikot des französischen Erstligisten OGC Nizza geboten hat. Ein erster Schritt in diese Richtung ist Christian Brüls am letzten Samstag gelungen: Nach dem 1:0-Sieg der KAS Eupen bei AA Gent gab drei Punkte für das Team und von Seiten der belgischen Sportpresse viel Lob für den Neuzugang aus Rennes.

Ihr Wechsel von Stade Rennes zur KAS Eupen wurde von den Fans als Überraschung gewertet und mit viel Zustimmung quittiert. Was hat Sie dieser Rückkehr bewogen?

Jeder weiß, wieso ich hier bin: Nach einer zuletzt schwierigen Phase meiner Karriere mit wenig Spielzeit bei Stade Rennes, möchte ich wieder zu dem Niveau zurückfinden, das ich zu meinen besten Zeiten hatte. Da kam das Angebot der KAS Eupen gerade recht. Für mich ist das ein perfektes Umfeld, hier kenne ich viele Leute, hier habe ich meine Freunde und meine Familie in der Nähe und fühle mich wohl. Zu meiner Rückkehr nach Eupen gab es viele positive Kommentare, das tut natürlich gut und schafft die Voraussetzung, um noch einmal richtig durchzustarten. Im Übrigen war für mich immer klar, dass ich noch einmal nach Eupen zurückkehren werde.

Welche Vorstellung hatten Sie vor dem Wechsel nach Eupen von der Mannschaft, inwieweit haben sich diese Erwartungen bestätigt?

Mir war bekannt, dass es hier viele sehr junge Spieler gibt, die von einigen erfahrenen Leuten unterstützt und geführt werden. Genau so habe ich das Team dann auch kennen gelernt und die Mannschaft hat mich sehr offen empfangen.

Wie sehen Sie Ihre Rolle im Team der KAS Eupen?

Natürlich erwartet der Verein von mir, dass ich mein bestes sportliches Niveau wieder zurück erlange und ich der Mannschaft dann mit meiner Erfahrung helfen kann. Das ist auch mein persönliches Ziel. Deshalb werde ich auch alles tun, damit ich den jungen Spielern meine Erfahrung und mein Potential vermitteln kann. In den ersten Trainingswochen habe ich schon gemerkt, dass die jungen Spieler im Team zuhören, wenn die erfahrenen Leute ihnen Tipps geben. Das ist heutzutage gar nicht mehr selbstverständlich, doch hier ist es so, dass die jungen Spieler gerne zuhören und Ratschläge annehmen. Das ist gut so, denn wir wollen die jungen Leute ja nicht belehren, sondern ihnen helfen.

Ist es nicht schwer, so kurzfristig und ohne Vorbereitungsphase in ein bestehendes Mannschaftsgefüge herein zu kommen und sich dort zu Recht zu finden?

Nein, damit hatte ich keine Schwierigkeiten, weil die Aufgabenstellung klar umrissen war. Ich soll meine Erfahrung an die jungen Spieler weiter geben. Das ist natürlich das erste Mal, dass ich mit einer solchen Erwartungshaltung konfrontiert wurde. Doch weil das war von Anfang an klipp und klar war, hatte ich auch keine Probleme damit, mich in dieser Form in das Team einzubringen.

Der Start bei der KAS Eupen hätte für Sie persönlich kaum besser laufen können. Als Neuling wurden sie gleich beim ersten Spiel im Pokal gegen Zulte eingewechselt, in der Meisterschaft gegen Waasland haben sie die komplette 2. Halbzeit gespielt, in Gent standen Sie in der Startelf und wurden von der belgischen Sportpresse mit viel Lob bedacht. Wie beurteilen Sie persönlich die ersten zwei Wochen Ihres Comebacks?

Ganz so positiv sehe ich es nicht, denn die ersten beiden Spiele, bei denen ich mitgewirkt habe, die haben wir schließlich verloren. Unabhängig davon habe ich mich auf dem Platz von der ersten Minute an wohl gefühlt und ich habe Vollgas gegeben, um den Anpassungsprozess zu beschleunigen. Das ist mir ja auch ganz gut gelungen und dann liegt es halt am Trainer zu entscheiden, wen er aufstellt. Vermutlich hat er für das Spiel bei AA Gent auf meine Erfahrung gesetzt und mich deshalb zum ersten Mal in die Startelf berufen.

In Gent stimmte dann ja auch nicht nur die persönliche Leistung, sondern auch das Ergebnis!

Ja, so soll es sein. Aber wir waren schon etwas skeptisch, denn wenn du als Abstiegskandidat zum Teilnehmer der Europa-League reist, dann gehst du nicht unbedingt von drei Punkten aus. Doch wir haben super gespielt, toll verteidigt und gezeigt, dass wir auch mal die Null halten können. Und mit einem Quäntchen Glück gehst du dann in der 96. Minute als Sieger vom Platz.

Wie schätzen Sie das Potential dieser Mannschaft ein?

Ganz sicher höher als es der momentane Tabellenplatz vermuten lässt. Man sollte nicht zu hoch greifen, doch wenn diese Mannschaft noch 1-2 Jahre zusammen spielt, dann man als Verein auch die Play Off 1 angreifen. Das haben andere Clubs, die sich in diesem Tabellenbereich aufhalten ja schon gezeigt. Wenn ich da beispielsweise an Mechelen denke, dann ist das eine Mannschaft die uns nicht unbedingt fußballerisch überlegen ist. Man sollte da durchaus selbstbewusst auftreten und defensiv mitdenken, damit man weniger Tore kassiert. Problematisch ist allerdings, dass die jungen Talente der Aspire Academy nicht unbedingt sehr lange in Eupen bleiben und die Mannschaft deshalb nie die gleiche bleibt, doch auf der anderen Seite steht auch fest, dass immer neue Talente nachrücken.

Das ist allerdings Zukunftsmusik, denn momentan kämpft die KAS Eupen noch um den Klassenerhalt, wird da die Entscheidung erst am letzten Spieltag fallen?

Das wird sich zeigen. Wir sollten zunächst nur das Spiel vom Samstag im Kehrweg-Stadion gegen den KV Kortrijk im Auge behalten. Ziel muss es sein, noch einmal die Leistung und die Motivation vom letzten Wochenende in Gent abzurufen, um gegen Kortrijk wenn eben möglich zu gewinnen. Mit dem Teamspirit aus Ghelamco-Arena und dem neuen Rasen im Kehrweg-Stadion sollte man die 3 Punkte anvisieren. Sollten wir das schaffen, ja dann dürfte es für die Konkurrenz schwer werden, uns noch einzuholen. Doch gerettet sind wir definitiv erst dann, wenn der Klassenerhalt mathematisch sicher ist, deshalb müssen wir bis zuletzt auf der Hut bleiben.