„Ja, Eupen will in die D1“

Der Sportdirektor der AS Eupen, Josep Colomer hat der Tageszeitung „L’Avenir“ ein ausführliches Interview gewährt. Darin stellt sich Josep Colomer kritischen Fragen zur aktuellen Situation bei der AS Eupen. „Die Zielsetzung bleibt unverändert“, sagt Josep Colomer, „wir wollen in die D1 und aus der AS Eupen einen großen belgischen Verein machen. Dies erfordert allerdings eine stabile Basis und Zeit“. 

Das Gespräch von Josep Colomer mit David Liz (L’Avenir, Ausgabe vom 26.12.) in der deutschen Übersetzung

Josep Colomer, wie beurteilen Sie die Eupener Bilanz nach 21 Spieltagen? Die Mannschaft hat 39 Punkte und steht auf dem 5. Platz …

Sagen wir es so: die fünf letzten Spiele waren weniger gut als der Rest. Nach 16 Spielen hatten wir so viele Punkte wie zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. Jetzt ist die Distanz zum Spitzenreiter (Sint Truiden)gewachsen und wir haben eine schwierige Phase durchlebt. Aber auch Leuven, das aus der D1 abgestiegen ist, hatte einen Durchhänger. Das Wichtigste ist, dass wir trotz allem noch im Rennen sind für die Endrunde.

Und der Titel? Denkt man nicht mehr daran?

Doch, solange das mathematisch noch möglich ist. Aber wir haben 12 Punkte Rückstand auf Sint Truiden und da muss man sich nichts vormachen: das wird kompliziert. Niemand geht davon aus, dass die keine Punkte mehr verlieren werden, aber diese Mannschaft erscheint mir in dieser Saison sehr fest und abgeklärt.

Beeinflussen die letzten (eher enttäuschenden) Ergebnisse die Ambitionen der AS Eupen?

Keinesfalls. Ich habe es immer gesagt und ich wiederhole es: Wir möchten aus Eupen einen großen belgischen Verein machen. Aber, so wie ich es den Fans beim Fantalk zu Beginn der Saison erklärt habe, brauchen wir dazu vor allem eine sichere Grundlage. Und das erfordert Zeit.

Das heißt?

Der Verein wächst und ruht auf drei Säulen: Die sportliche Säule, für die ich verantwortlich zeichne. Dann die wirtschaftliche Säule, wo wir die Direktion, die Verwaltung und die Stadt Eupen finden. Ein erfolgreicher Club funktioniert entweder mit viel Geld oder mit einem echten Projekt für die Jugend. Schauen Sie sich die weltweit führenden Vereine an. Wir haben uns für dieses Modell entschieden: Ein Projekt mit Nachwuchsspielern. Jetzt komme ich zur sozialen Säule. Denn wir haben die Unterstützung unseres Publikums nötig, in guten, aber auch in weniger guten Zeiten. Fans wie die Zebras sind immer da. Das möchte ich hervorheben.

Die schwierige Phase, die Sie ansprechen, stimmt zeitlich überein mit der Aufnahme in den A-Kader von jungen katarischen Spielern, die sich noch entwickeln müssen. Ist das reiner Zufall?

Nein… Aber dazu möchte erklären: Wir haben vier bis fünf katarische Spieler in den A-Kader integriert, weil das zu unserem Projekt gehört, das hatten wir ja auch angekündigt. Und, das haben Sie auch feststellen können, diese Integration erfolgte mitten in der laufenden Meisterschaft. Natürlich hat das die Mannschaft belastet. Aber ich möchte darauf hinweisen, dass diese Jungs die Asienmeisterschaft der U20 bestritten und gewonnen haben. Den Kalender dazu erstellt die FIFA und nicht wir. Glauben Sie mir, wir hätten diese Spieler  gerne leichter und zwar im Sommer schon in die Mannschaft eingebaut. Lassen Sie diesen Spielern die Zeit, ihren Weg zu finden. Vergessen Sie nicht, zu Beginn unseres Projektes hatten auch die jungen afrikanischen Spieler Zeit nötig, um sich anzupassen.

Was antworten Sie den Fans, die sagen, dass die AS Eupen nicht in die D1 aufsteigen will … und die das schon zum Ende der letzten Saison behauptet haben?

Dass es beschämend ist, dies zu sagen. Im letzten Jahr hat Eupen in der Meisterschaft so viele Punkte geholt wie nie zuvor in seiner Geschichte. Außerdem bin ich überrascht über diese Ungeduld. Bislang hat Eupen erst ein Jahr in der D1 gespielt und die Folgen für den Verein waren fürchterlich, da der Club nicht bereit war. Jetzt sehen wir, dass Eupen wirtschaftlich gefestigt ist. Wir investieren in die Sportanlage am Kehrweg, in die Jugendabteilung. In der ganzen Welt wird von Eupen gesprochen. Ich habe den Eindruck, dass die Menschen die in Eupen geleistete Arbeit überall würdigen. Überall, nur nicht in Eupen … Und dennoch spricht die Weltpresse von uns, beispielsweise als Diawandou Diagne von Eupen zu Barça B wechselte und er wie in der letzten Woche von Luis Enrique in den A-Kader berufen wurde.

Sprechen wir darüber. Sie waren in der Vergangenheit der Verantwortliche von „La Masia“, der Nachwuchsabteilung von Barça, und Katar ist Hauptsponsor des Clubs in Barcelona. Diagne zu Barça, das ist doch vor allem schöne Aspire-Werbung, oder nicht?

Das ist eine Sichtweise, die keinen Sinn macht. Im Ernst, glauben Sie denn, dass einer der besten Clubs der Welt wie Barcelona sich amüsiert, Spieler unter Vertrag zu nehmen, um gleich welchen anderen einen Gefallen zu tun? Das ist doch völlig aus der Luft gegriffen. Und wenn es das Ziel gewesen wäre, Katar eine Freude zu machen, warum haben sie denn dann keinen Katarer transferiert? Ich sehe, dass es gut läuft für den früheren Eupener bei Barça. Und, dass er spielt.

Zurück nach Eupen. Sie hatten vom Aufstieg mittelfristig, nach zwei drei Jahren gesprochen … Kommt daher nicht die Enttäuschung der Fans?

Da möchte ich in Erinnerung rufen, dass die belgische D2 alles andere als eine leichte Meisterschaft ist. Schauen Sie sich Mons oder OHL an, zwei Mannschaften, die aus der D1 kommen und jetzt in der D2 bei weitem keine Überflieger sind. Unsererseits haben wir von mittelfristig gesprochen, weil es unmöglich ist, den Zeitpunkt auszusuchen, an dem man aufsteigt oder nicht. Letztes Jahr waren wir der D1 ganz nah. Aber leider ist es nicht so gelaufen, wie wir es erhofft hatten gegen Westerlo oder OHL. Der Beweis, dafür, dass nichts vorhersehbar ist: Mouscron hat die Endrunde gewonnen, womit niemand gerechnet hatte. Nun gut … Ich gehöre nicht zu denen, die nach jedem Spiel eine Bilanz ziehen möchten. Wir machen die Bilanz am Ende der Saison.

Der Monat Januar steht unmittelbar bevor. Was ist von der Wintertransferperiode zu erwarten?

Wir werden das machen, worüber Sie bereits berichtet haben: Junge Spieler integrieren, die inzwischen volljährig sind, wie den Mittelfeldspieler Abdoulaye Sanogo oder Akram Afif, ein Offensivtalent aus Katar. Es könnte auch Abgänge geben, was davon abhängt, welche Angebote wir erhalten oder auch nicht erhalten. Außerdem suchen wir Lösungen für die Spieler, die wenig zum Einsatz kommen.

Könnten Sie denn auch afrikanische Spieler, die wenig eingesetzt werden, in der belgischen D2 platzieren? 

Ja, in Belgien oder im Ausland. Allerdings bereitet das Mindestgehalt für einen Spieler, der nicht aus der Europäischen Gemeinschaft kommt, einigen Clubs der belgischen D2 Probleme. Erst recht, wenn die Vereine nicht bereit sind, diese Summe für junge Spieler zu zahlen.

In der kommenden Saison, werden die jungen afrikanischen  Spieler des ersten Jahrgangs während drei Jahren in Belgien gespielt haben und damit für den Verband als belgische Spieler gelten (zur Info: sechs Belgier müssen bei jedem Spiel auf dem Schiedsrichterblatt stehen). Bedeutet dies, dass es (noch) weniger Belgier in Eupens erster Mannschaft geben wird? 

Nein, keinesfalls. Nach drei Jahren müssen die Spieler Platz machen für die nächsten Jahrgänge, die auf ihre Chance warten. Die gute Nachricht ist hingegen, dass diese jungen Afrikaner aufgrund ihres neuen Statuts leichter einen Verein finden werden.

Die Position von Trainer Marquez scheint aufgrund heftiger Kritik eher unkomfortabel, wie wird das intern gesehen?

Ich kann Ihnen versichern, dass der Trainer perfekt zu unserem Projekt passt. Daran werden auch einige schlechte Ergebnisse nichts ändern. Wir haben volles Vertrauen in den Staff, genau wie in die Spieler.

Einige Spieler danken Ihnen dieses Vertrauen nicht. Nach einer von Aspire finanzierten Ausbildung hat der talentierte Alassane Diallo seinen Vertrag gebrochen und ist zu Standard Lüttich gewechselt…

Wissen Sie, überall gibt es Menschen, die manchmal vergessen, wo sie herkommen. Andere wollen den Spielern auch weismachen, dass der Fußball einfacher ist, als es in Wirklichkeit der Fall ist. Das ist in deren Interesse und sie versuchen, diese jungen Spieler zu beeinflussen. Genau das ist Alassane passiert. Und schauen Sie heute: er hat in dieser Saison  bislang eine Viertelstunde   für Westerlo gespielt. Dabei muss er in seinem Alter doch spielen. Zum Glück wird es immer Jugendliche geben, die verstehen werden, dass der Weg, den wir ihnen anbieten, der gute ist.

Die Originalfassung des Artikels in französischer Sprache gibt es HIER