KAS-Sekretär Joseph Radermacher hat alle 6 Play Offs miterlebt

Im Kreis der KAS-Mitarbeiter ist Clubsekretär Joseph Radermacher (Jahrgang 1946) der Senior. Als Torwart zunächst bei den Jugendlichen und dann bei der Erwachsenen hat er von 1958 bis 1976 für die AS Eupen gespielt und anschließend den Posten des Begleiters der 1. und 2. Mannschaft übernommen. Heute ist Joseph Radermacher als Vereinssekretär zuständig für die Verbindungen zum Nationalverband und das Ticketing. Darüber hinaus ist Joseph Radermacher Mitglied des Exekutivkomitees der Union Belge und war zuletzt für Belgien als Delegationsleiter der U19-Damen beim Qualifikationsturnier zur EM in Deutschland im Einsatz. 

Am Donnerstag beginnt für Sie die bereits 7. Aufstiegsrunde zur D1. Ist da die Organisation zur Routine geworden, oder stellen die Play Offs für die Vereinsverantwortlichen nach wie vor eine besondere Herausforderung dar?

Natürlich hat die KAS Eupen mit der Vorbereitung und Durchführung der Endrundenspiele inzwischen schon Erfahrung und vieles wird zur Routine. Allerdings gilt das nicht für alle Beteiligten, weil wir ja seit 3 Jahren eine neue Vereinsführung haben und viele Mitarbeiter erst eine Endrunde der KAS Eupen miterlebt haben. Doch auch für die Routiniers bleiben die Play Offs etwas Besonders. Wir müssen uns häufig auf neue Bestimmungen und Vorgaben beim Ticketverkauf einstellen, zudem sind wir durch das größere Interesse bei den Zuschauern und den Medien deutlich mehr gefordert als bei normalen Meisterschaftsspielen.

Welche Endrundenspiele haben Ihre Erinnerung in besonderem Maße geprägt?

Da denke ich an die Aufstiegsrunde zum Ende der Saison 2003-2004. Das war die erste Aufstiegsrunde nach genau 30 Jahren, da hat der Club sozusagen Neuland betreten und wir wussten überhaupt nicht, was auf uns zukam. Unter Trainer Claudy Chauveheid hat die Mannschaft das Auswärtsspiel in Waregem überraschend mit 1:0 gewonnen und beim 1. Heimspiel gegen Denderleeuw hatten wir mit maximal 2000 Zuschauern gerechnet. Es kamen aber 4000 Leute und das damals noch nicht umgebaute Stadion war ausverkauft. Das hatte uns völlig überrascht und wir sind da organisatorisch an unsere Grenzen gestoßen.

Haben Sie eine Erklärung dafür, dass das Interesse plötzlich so groß war?

Dazu muss man die Rahmenbedingungen kennen. Damals hatten 50-60 Leute eine Dauerkarte und der Zuschauerschnitt in der Saison lag bei 500-600 Leuten. Die AS Eupen spielte mit einer Amateurmannschaft, die drei Mal in der Woche jeweils am Abend trainierte. Plötzlich ergab sich die Möglichkeit, zum ersten Mal in den Profi-Fußball aufzusteigen. Das hat die Leute fasziniert, mobilisiert und begeistert. So kamen dann auch die Zuschauer aus dem gesamten Eupener Land uns aus der Eifel. Als wir dann auch noch das Spiel gegen Denderleeuw gewonnen hatten und wir die Tabelle mit 6:0 Punkten anführten, war der Andrang bei den Heimspielen gegen Heusden-Zolder und Waregem noch einmal ähnlich groß. Leider lief es sportlich bei den Rückspielen dieser Endrunde nicht so gut und wir haben den Aufstieg verpasst. 2010 hat es dann geklappt, am 23. Mai sind wir mit dem 2:1-Sieg über Mons als vorzeitige Sieger der Endrunde aufgestiegen, das war natürlich vom Ergebnis her das Highlight schlechthin.

Welches war denn die größte Endrunden-Enttäuschung?

Eine besonders bittere Erfahrung war die Endrunde 2011, die wir als Abstiegskandidat aus der D1 bestritten haben. Da haben wir mit dem zurückgeholten Trainer Dany Ost gegen Waasland, Mons und Lommel alle Spiele verloren. Enttäuschend war auch das Ergebnis der letzten Endrunde 2013-2014, wo wir bis zum letzten Spiel in Leuven noch die Chance hatten aufzusteigen, den Aufstieg dann aber genau wie bei der regulären Meisterschaft im letzten Spiel verpasst haben.

Jetzt gibt es eine neue Chance, freuen Sie sich auf diese Endrunde?

Ganz sicher. Die Endrundenspiele mit 3 Top-Clubs der zweiten Liga und einem Club der D1 stehen auf einem sehr guten sportlichen Niveau. Außerdem sind die Endrunden erfahrungsgemäß völlig offen und man kann im Voraus selten einen Favoriten ausmachen.

Wie beurteilen Sie die Chancen der AS Eupen?

Ich gehe davon aus, dass jeder Endrundenteilnehmer mit 25% Chancen startet. In der aktuellen Konstellation traue ich Lierse SK vielleicht etwas mehr zu und Lommel United etwas weniger. Lierse könnte den Vorteil seiner Erstliga-Erfahrung nutzen, auch wenn die Erstligisten in der Vergangenheit erst einmal (CS Brügge) als Sieger aus dieser Endrunde hervor gegangen sind. Lommel hat das Handicap, dass Trainer Stijn Vreven vor wenigen Tagen seinen Wechsel zum Erstligisten Waasland bekannt gegeben hat. Somit würde ich sagen: 30% Chancen für Lierse SK, 25% Chancen für die KAS Eupen und OH Leuven, sowie 20% Chancen für Lommel, womit das Rennen wieder mal völlig offen ist. Ich habe den Eindruck, dass unsere Mannschaft gut gerüstet ist und weiß, dass alle im Verein alles geben werden, um es diesmal zu schaffen.