„Meine Spieler müssen es hassen, zu verlieren“

Ein Medienaufgebot wie bei der Vorstellung des neuen Trainers Claude Makelele am 7. November hat es im Kehrweg-Stadion noch nicht geben. Mehr als 50 Journalisten, darunter gleich 9 Fernsehteams, drängten sich um den neuen Chefcoach der KAS Eupen. Im krassen Gegensatz zum Rummel an seinem ersten Arbeitstag stand das bescheidene Auftreten von Claude Makelele. Der Franzose ist sich dessen bewusst, dass er mit seiner Mission Klassenerhalt bei der KAS Eupen vor einer spannenden Aufgabe aber auch vor einer großen Herausforderung steht. Im Interview für das AS-Journal und die Homepage der KAS Eupen berichtet Claude Makelele über seine erste Arbeitswoche in Eupen.  

Die erste Arbeitswoche bei der KAS Eupen haben Sie jetzt hinter sich, wie ist sie verlaufen? 

Sehr gut. Der Empfang war außergewöhnlich positiv, zunächst von Seiten der Direktion aber auch von Seiten der Spieler, die mir sehr offen begegnet sind. Als erstes habe ich eine Bestandsaufnahme gemacht, das ist immer das wichtigste wenn ein neuer Trainer kommt. Dabei habe ich bemerkt, dass einige Dinge nicht so liefen, wie es sein sollte. An einigen Details habe ich fehlendes professionelles Engagement ausmachen können und da musste ich natürlich gegensteuern. Andererseits habe ich auch viel Einsatzwillen und Energie erkannt. Ich habe die Abläufe, die mir nicht direkt genug waren, verändert und habe den Eindruck, dass die Spieler meine Botschaft verstanden haben.

Welches ist denn Ihre Botschaft? 

Sie ist klar und einfach und geht davon aus, dass wir alles dafür tun müssen, dass der Club in der höchsten Klasse bleibt. Das ist das allerwichtigste nicht nur für den Verein sondern auch für die Spieler, weil es ja auch für sie von größter Bedeutung ist, in der höchsten Klasse zu spielen. Der Club hat so große Anstrengungen unternommen, um in die Pro League zu kommen, da wäre es schon sehr schade, diesen Vorteil zu verlieren. In diesem Sinne habe ich mich an die Spieler gewandt, weil der Klassenerhalt von ihren Leistungen und ihren Ergebnissen abhängt.  Ich habe ihnen erklärt, dass es zu ihrem Beruf dazu gehört, dass jeder hart arbeiten muss und dass es dabei gilt, Regeln zu befolgen. Dank meiner Erfahrung weiß ich, dass es ohne Regeln keine Stabilität gibt. Daran werde ich die Spieler täglich erinnern. Sie müssen begreifen, dass dies keine Strafe ist, weil sich in diesem System am Ende alle zurechtfinden und ihre Nutzen daraus ziehen. Ich möchte meinen Spielern den Freiraum geben, den sie brauchen um sich zu verwirklichen, doch sollte man nicht vergessen, dass der Fußball bei aller Freude für einen Profi vor allem Arbeit bedeutet. Unsere Spieler haben das unerhörte Glück, den Beruf des Fußballprofis auszuüben. Da ist es in meinen Augen das Mindeste, alles zu geben, mit Herz zu spielen und die Mitspieler zu unterstützen. 

Die KAS Eupen hat sie mit einer mittel- bis langfristigen Perspektive engagiert. Die erste Mission ist jedoch der Klassenerhalt in der Pro League. Welches Gefühl haben Sie im Hinblick auf dieses Ziel? 

Ich habe festgestellt, dass es in der Mannschaft genügend Qualität gibt und bin zuversichtlich, dass wir alles in die Wege leiten können, um in der D1 zu bleiben. Ich habe Spieler kennengelernt, die aufnahmebereit sind und die begriffen haben, dass sie Mitverantwortung tragen. Ich habe einen durchaus guten Eindruck von den ersten Trainingseinheiten hier in Eupen, so muss es jetzt weitergehen. Wie gesagt, wir verfügen über genügend Qualität in unserem Kader und die Spieler geben ihr Bestes; lediglich an der Feinabstimmung müssen wir noch arbeiten. Das wird uns dazu führen, dass wir uns von Tag zu Tag verbessern und in der Lage sein werden, die Abstiegszone zu verlassen.

Derzeit ist Eupen noch Tabellenletzter, spüren Sie dass dies die Mannschaft belastet?  

Natürlich ist das eine Belastung. Das belastet die Leistung, den Alltag der Spieler, den Verein und sogar die Stadt. Solange jedoch alle ihre positive Einstellung bewahren und in eine Richtung ziehen, ist dieser Kampf nicht verloren. Natürlich haben wir nicht mehr allzu viel Zeit, das Ruder herumzureißen, denn es bleiben nur noch 16 Spiele.

Das größte Problem der KAS Eupen ist die Vielzahl der Gegentore. Haben Sie da schon eine Lösung gefunden? 

So einfach ist es nicht, da gibt es keine Wunderlösung. Die einzige Möglichkeit, dieses Problem zu bewältigen, liegt in der Arbeit. Im Training müssen wir uns Tag für Tag damit befassen, ich muss den Spielern sehr genaue Anweisungen geben, die sie dann im Spiel umsetzen müssen. Denn beim Spiel, da stehe ich nicht neben ihnen, da müssen sie die jeweils richtige Entscheidung treffen. Doch wir haben jeden Tag daran gearbeitet, so dass wir gut auf unser Spiel vorbereitet sind. Ich werde dann hinter meinen Spielern stehen und sie jederzeit unterstützen, auch wenn es schwierig wird.

Ist damit zu rechnen, dass Sie die Mannschaft neu aufstellen oder auch den Spielern andere Positionen zuteilen? 

Es wird voraussichtlich eine andere Spielaufteilung geben, damit wir ein größeres Gleichgewicht auf dem Platz erreichen. Was ich aber vor allem ändern möchte, ist die Einstellung. Hier sehe ich den Schlüssel, um unser Spiel zu verbessern.

Am Samstag werden sie beim Spiel gegen Antwerp erstmals auf der Trainerbank der KAS Eupen sitzen. Was erwarten sie von diesem Spiel? 

Meine Erwartungen sind sehr klar: Wir müssen jedes Heimspiel gewinnen, weil wir zuhause besonders stark sind. Folglich werden wir alles tun, um ein gutes Ergebnis zu erzielen und vor allem Selbstbewusstsein zu erlangen. Und eines ist klar, wir können es uns nicht mehr erlauben, Spiele zu verlieren mit einem Ergebnis, das für einen Trainer inakzeptabel ist. Meine Spieler müssen alle gemeinsam die Niederlage ablehnen und es hassen, zu verlieren. Natürlich werden wir nicht immer gewinnen, das macht ja den Fußball aus, den wir so sehr lieben. Doch das Motto lautet: Arbeit, Arbeit, Arbeit, denn am Ende zahlt sich die Arbeit immer aus. Nie werde ich meinen Spielern böse sein, wenn sie alles gegeben haben, egal ob wir gewonnen oder verloren haben.

Sind Sie nervös, wenn Sie an das Spiel denken?

Nervös, nein. Wozu auch? Ich blicke dem Spiel mit großer Freude entgegen, dafür liebe ich den Fußball und meinen Beruf. Ich werde aufgeregt sein, aber nicht ängstlich.

Was hat Sie eigentlich dazu bewogen, das Angebot der KAS Eupen anzunehmen? 

Das Projekt interessiert mich, weil es langfristig angelegt ist. Eupen ist ein sehr stabiler Club, der seinen Trainern Vertrauen schenkt und über sehr talentierte Spieler verfügt.  Ihnen kann ich sicherlich bei ihrer Weiterentwicklung helfen. Das hat mich motiviert, hierher zu kommen.

Bei ihrer ersten Pressekonferenz haben sie von der Identität der Region gesprochen, von der DNA, die sie kennenlernen möchten. Welches sind da ihre ersten Eindrücke? 

Eupen ist ein sehr stiller und Ruhe ausstrahlender Ort, eine sehr angenehme Stadt, deren Bewohner mich gut empfangen haben. Einige grüßen mich bereits und sprechen mit mir, das freut mich sehr und ich fühle mich wohl hier. Insgesamt ist das ein optimales Umfeld, um konzentriert und gelassen arbeiten zu können. Derzeit wohne ich noch im Hotel, doch ich suche ein Haus zu mieten, damit ich wirklich teilhaben kann am Leben in der Region.