„Mit einem Erfolgserlebnis zurück in die gute Richtung“

Mit der Niederlage bei Waasland-Beveren ist die KAS Eupen erstmals in dieser Saison auf den letzten Tabellenplatz der Pro League abgerutscht. „Alles andere als eine komfortable Situation“ stellt KAS-Zentralverteidiger Siebe Blondelle fest. Der 30-jährige Flame weiß, wovon er spricht und was noch möglich ist: „Bei meinem vorigen Club Waasland-Beveren haben wir auch stets gegen den Abstieg gekämpft und es jedes Mal geschafft. Das sollte uns motivieren, auch mit der KAS Eupen die Klasse zu halten“, sagt Siebe Blondelle im Interview mit dem AS-Journal. Sein Rezept, um mit dem Team wieder auf Kurs zu kommen lautet: „Mehr ans Verteidigen denken und gemeinsam hart arbeiten, damit wir so schnell wie möglich wieder ein Erfolgserlebnis haben.“ Warum nicht am Sonntagabend beim Heimspiel gegen AA Gent?

Mit dem 2:4 bei Waasland-Beveren hat die KAS Eupen auch das zweite Duell mit einem direkten Konkurrenten um den Klassenerhalt verloren. Wie tief sitzt der Stachel?

„Wir sollten unsere Situation nicht dramatisieren, auch jetzt liegen die Mannschaften auf den Plätzen 11 bis 16 noch ganz dicht beieinander. Wenn man da auch nur ein Spiel gewinnt, geht es in der Tabelle sofort um einige Plätze nach oben, das kann also sehr schnell gehen. Andererseits müssen wir uns schon dessen bewusst sein, dass es ein harter Kampf wird, und jeder von uns alles geben muss, um in dieser D1 zu bleiben. Ich hoffe, dass jeder für sich diese Lehre aus dem Spiel bei Waasland-Beveren gezogen hat.“

Ist es für ihre Konkurrenten, Mannschaften wie Mouscron, Westerlo und Waasland ein Vorteil, dass sie im Gegensatz zur KAS Eupen Erfahrung im Kampf gegen den Abstieg haben?

„Es ist schon so, dass diese Mannschaften in den letzten Jahren immer in den Abstiegskampf verwickelt waren und wir nicht. Wir haben in der D2 meist mit an der Spitze gestanden und mit Ballbesitz das Spiel bestimmt. Das meinten wir zu Beginn auch in der D1 umsetzen zu können und phasenweise ist uns das auch gelungen. Auf der anderen Seite haben wir uns zu viele Fehler geleistet. In der D2 kannst du die eigenen Fehler noch zurechtrücken, die Chance hast du in der D1 kaum. Um in der D1 bestehen zu können, müssen die Punkte das allerwichtigste sein, dessen müssen wir uns bewusst sein und so sollten wir spielen.“

Wenn wir uns das Torverhältnis von 13:26 anschauen, dann ist leicht zu erkennen, wo der Schuh drückt. Liegt das Problem in der Verteidigung oder im Abwehrverhalten der der gesamten Mannschaft?

Sowohl als auch. Wir haben uns in der Abwehr ganz einfach zu viele Fehler geleistet, die müssen wir natürlich reduzieren und wenn möglich ganz abstellen. Darüber hinaus müssen wir meiner Meinung nach in unserer Situation jetzt auch unser Spielsystem auf einen festen Block in der Mitte mit unseren defensiven Mittelfeldspielern und den beiden Zentralverteidigern aufbauen. Wir müssen uns mehr auf das Verteidigen, auf eine solide Achse, fokussieren. Dann kommen wir im Strafraum nicht so schnell in 1:1-Situationen, wo wir unter Druck stehen und dadurch Fehler machen. So müssen wir versuchen, die Null zu halten. Wenn uns das gelingt, dann werden wir auch wieder Spiele gewinnen, denn vorne sind wir immer gut für das eine oder andere Tor, das haben wir gezeigt.

Haben sich die Niederlagen der letzten Wochen auf die Atmosphäre in der Mannschaft, ausgewirkt, oder ist die KAS Eupen nach wie vor eine Familie, in der alle zusammen halten?

Nein, die Stimmung in der Mannschaft ist weiterhin gut, und wir bilden eine echte Gruppe, in der jeder seinen Platz hat. Allerdings müssen wir diesen Zusammenhalt jede Woche aufs Neue auch auf dem Spielfeld zeigen und nicht allein auf den Trainingsplatz.

Haben Sie in Ihrer Laufbahn als Fußballspieler Erfahrung mit dem Kampf um den Klassenerhalt gesammelt?

Ganz sicher, bei Waasland-Beveren, wo ich während drei Jahren gespielt habe, mussten wir ständig um den Verbleib in der D1 kämpfen. Das ist für jeden, der es mitmacht, eine ganz harte Prüfung. Doch wir haben es jedes Mal geschafft, und ich hoffe, dass uns das auch in Eupen gelingt. Wobei wir bei Waasland auch einmal Riesenglück hatten, als wir am letzten Spieltag mit einem Unentschieden gegen Lokeren um ein Haar in die Play Offs 3 gerutscht wären, weil der CS Brügge gegen Mechelen führte. Doch in der Nachspielzeit kassierte Brügge noch zwei Gegentreffer und so waren wir gerettet.

Kommt den erfahrenen Spielern aus dem Kader gerade in der jetzigen Situation eine besondere Rolle zu?

Natürlich versuche ich, den jungen Spielern, meine Erfahrung zu vermitteln, doch kann ich nicht in ihren Kopf klettern und ihnen sagen, so oder so musst du spielen. Jeder einzelne muss sich dessen bewusst sein, wie wichtig ist es für seine Karriere ist, in der D1 zu bleiben.

Das Zeug dazu haben wir.

Wie lautet das Rezept, um wieder aus der Talsohle herauszukommen?

Mit einem Erfolgserlebnis, mit einem guten Spiel, einem Punktgewinn oder einem Sieg. So wie wir im letzten Jahr mit dem Last Minute-Sieg über Heist die Schubumkehr geschafft haben, und dann aus eigener Kraft mit dem gleichen Team die tolle Serie bis zum Saisonende hingelegt haben, so brauchen wir auch jetzt ein Erfolgserlebnis, um mit neuem Selbstvertrauen wieder voran zu kommen und vielleicht auch eine kleine Serie hinzulegen.

Am Sonntag kommt mit AA Gent wieder eine Spitzenmannschaft ins Kehrweg-Stadion, mit welcher Zielsetzung geht die KAS in die Partie?

Wir haben bei den Heimspielen gegen Anderlecht und gegen Oostende gute Leistungen gezeigt und sollten uns vornehmen, mit der Unterstützung unserer Fans gegen AA Gent ähnlich aufzuspielen. Dass wir zuletzt weniger erfolgreich waren, das müssen wir hinter uns lassen und gegen AA Gent selbstbewusst und vor allem gut organisiert antreten. Wenn wir aus der Defensive heraus die Null halten können, dann haben wir mindestens einen Punkt und das wäre in meinen Augen ein Erfolg.

Sie wohnen jetzt seit gut einem Jahr in Eupen, wie kommen Sie in diesem Umfeld zu Recht?

Sehr gut, ich fühle mich wohl hier. Der Verein ist sehr gut strukturiert und alles ist darauf ausgerichtet, langfristig in der D1 zu spielen. Ich persönlich hoffe, so lange wie möglich dabei sein zu können. Die Menschen hier in Eupen sind sehr nett und bei den Einkäufen beim Bäcker oder Metzger spüre ich schon, dass sich alle sehr für die AS interessieren und gut informiert sind. Mit meiner Frau und unserem Töchterchen teilen wir uns die gemeinsame Zeit zwischen Eupen und meiner Heimat in Oostkamp bei Brügge auf. Am Wochenende kommen die beiden mich hier besuchen, und wenn ich trainingsfrei habe, dann fahre ich zu ihnen nach Oostkamp. All das klappt sehr gut.