Torgefährlicher Teamplayer

Akram Afif bleibt bescheiden: „Es ist nicht wichtig, dass Akram gewinnt, sondern,  dass die AS Eupen gewinnt“

Von 0 auf 100, so könnte man den Start von Akram Afif bei der AS Eupen beschreiben. Im Januar kam der junge Katarer nach Eupen und sorgte mit seiner Spielübersicht, seinen Vorlagen und bislang zwei Toren für begeisterte Kommentare der Beobachter und der Fans. Mit gerade einmal 18 Jahren gehört er zu den auffälligsten Spielern der AS Eupen und hat sicherlich seinen Anteil an der Siegesserie der AS. Doch nicht nur bei der AS Eupen sorgte Akram Afif für Furore. Mit der U19 seines Heimatlandes wurde er Asienmeister und zum besten Spieler des Turniers gewählt. Beim Testspiel gegen die U20 von Spanien schoss der AS-Spieler in Madrid das Siegtor für Katar. All das lässt ihn nicht abheben. Bescheiden und abgeklärt gibt er sich beim Interview und erklärt, dass er sich bei der AS Eupen vom ersten Tag an wohlgefühlt habe, „weil der der Club eine Familie bildet, wo jeder für jeden da ist“ 

Sie sind im Januar von Doha zur AS Eupen gekommen, in welchem Umfeld sind Sie groß geworden und wie ist Ihre sportliche Entwicklung bislang verlaufen? 

Ich wurde in Doha geboren und bin dort aufgewachsen. Mein Vater Hassan stammt aus Tansania und war Fußballprofi, meine Mutter Fayza stammt aus Jemen und kümmert sich um die große Familie mit sieben Kindern(4 Mädchen und 3 Jungen).  Im Alter von sieben Jahren habe ich zum ersten Mal Fußball gespielt. Nach der Grundschule wechselte ich im Alter von 11 Jahren zur Aspire Academy. Dort bin ich zur Schule gegangen und dort wurde ich als Fußballspieler ausgebildet. Im Rahmen meiner Ausbildung hat Aspire dann auch dafür gesorgt, dass ich von meinem Club Al Sadd Sports ausgeliehen werden konnte an die Jugendabteilungen des  FC Sevilla und von Villarreal CF. Seit Januar spiele ich auf Leihbasis bei  den Profis der KAS Eupen.

Wann haben Sie zum ersten Mal von der Eupen und der AS gehört?

Das war im letzten Jahr, als wir mit der U19-Nationalmannschaft die Asienmeisterschaft bestritten haben und wo einige AS-Spieler mit in meinem Team waren. Anfang 2015 habe ich dann in Doha zum ersten Mal mit der Mannschaft trainiert und bin dann nach Eupen gekommen.

Sowohl vom Klima als auch von der  Größe her steht die belgische Kleinstadt Eupen im krassen Gegenteil zu ihrer Heimatstadt Doha und zu den spanischen Städten, wo Sie zuletzt gespielt haben. Wie schwer ist Ihnen da die Umstellung gefallen?

Für mich war es überhaupt kein Problem, mich hier einzuleben. Der Club und die Mannschaft funktionieren wie eine Familie und ich habe mich vom ersten Tag an zuhause gefühlt. Es gibt hier ein sehr herzliches Miteinander, das alle im Club verbindet. Auch zu den Fans habe ich schon einen sehr guten und angenehmen Kontakt. Ich hatte  nicht damit gerechnet, dass ich mich auf Anhieb hier so wohlfühlen würde. Eupen ist eine kleine und ruhige Stadt ohne Lärm, das ist für mich das ideale Umfeld.

Sportlich haben Sie bei der AS Eupen einen unglaublichen Start hingelegt: Gleich im ersten Spiel haben Sie ein Tor geschossen, mit ihren Assists sorgen Sie dafür, dass die AS wieder richtig torgefährlich auftritt. Obendrein gab’s beim Heimspiel gegen den FC Antwerpen noch ihren ersten Treffer im Kehrweg-Stadion. Besser geht’s nicht, oder? 

In der Tat, läuft es für mich momentan sehr gut. Die Unterstützung die ich hier erfahre, gibt mir natürlich Selbstvertrauen und trägt dazu bei, dass ich gute Leistungen bringen kann. Ob es nun Tore oder Assists von mir sind, darüber freu ich mich riesig, aber am wichtigsten ist mir, dass ich der Mannschaft helfen kann. Wenn ich der Mannschaft helfe, dann hilft das auch mir. Es geht ja nicht darum, dass Akram gewinnt, sondern darum, dass die AS Eupen gewinnt.

Nach einer sehr systematischen Vorbereitung hat Katar im Oktober zur großen Überraschung der meisten Beobachter die Asienmeisterschaft der U19 gewonnen und sich so für die FIFA-WM der U20 ab dem 30. Mai in Neuseeland qualifiziert. Inwieweit hatte der Verband diesen Erfolg eingeplant?

Niemand konnte damit  rechnen, dass wir als Sieger aus einem solchen Turnier hervorgingen, wir hatten es da mit den stärksten Mannschaften des Kontinents zu tun und haben Länder wie China, Korea und Irak hinter uns gelassen. Mit diesem Titel haben wir in unserem Land etwas Einmaliges erreicht, nie zuvor hat die U19 Mannschaft von Katar einen internationalen Titel gewonnen.

 Haben Sie eine Erklärung für diesen starken Aufschwung?

Zum einen steckt da natürlich sehr viel Arbeit von uns Spielern und unseren Trainern hinter. Dann ist es so, dass unsere Jugendspieler sehr gut gefördert werden und sich ein einem starken Umfeld weiterentwickeln. So gehören inzwischen 6 Spieler unserer Auswahlmannschaft zum Kader der 1. Mannschaft der AS Eupen, andere sind in anderen Vereinen, wo auch sehr gut trainiert wird und wo sie noch viel hinzulernen. Der entscheidende Faktor ist jedoch das gewachsene Selbstvertrauen. Früher hatten wir Angst vor einem Gegner wie Spanien und haben solche  Spiele hoch mit 0:4 verloren. Jetzt im Januar haben wir zweimal gegen Spanien gespielt, einmal mit 0:1 verloren und das 2. Spiel dann sogar mit 1:0 gewonnen. Wir fühlen uns jetzt auf Augenhöhe mit solchen Mannschaften und treten ganz anders auf. Im Moment passt halt alles gut zusammen.

Die Experten sind sich einig, dass sie über ein außergewöhnliches Talent verfügen. Haben sie auch schon in den Jugendklassen gespürt, dass ihre Veranlagung so außergewöhnlich gut ist?

Nein, ich hatte nie das Gefühl besser als die anderen zu sein. Es mag sein, dass ich talentiert bin, aber ich bin vor allem ehrgeizig und fleißig. Ich arbeite jeden Tag, um mich weiter zu verbessern. So wie ich sehe, dass einer besser spielt als ich, versuche ich, von ihm zu lernen. Ich schaue mir sehr viele Spiele an im Fernsehen und auf Youtube und versuche, mir bei den guten Spielern etwas abzuschauen.

Welches sind Ihre Ziele für dieses Jahr?

Mit der AS Eupen möchte ich in die D1 aufsteigen und mit Katar möchte ich die FIFA WM der U20 gewinnen. Natürlich ist der Worldcup sehr hoch gegriffen, aber wir werden zumindest versuchen, dieses Ziel zu erreichen.

Derzeit sind Sie bis zum Sommer 2015 an die AS Eupen ausgeliehen, gibt’s eine Chance, dass Sie auch im kommenden Jahr noch das AS-Trikot  tragen?

Wenn ich die Chance habe, auch in der nächsten Saison für Eupen zu spielen, dann werde ich das sehr gerne tun, warum nicht? Das hängt natürlich davon ab, was Aspire plant und welche Abmachung es mit der AS Eupen gibt. Ich wäre jedenfalls glücklich, auch die nächste Saison hier zu spielen.